Härteste Probe

Fünf Tage nach meinem vergangenen Artikel zum Stand der Dinge um Katies Epilepsie, passierte, wie ihr wahrscheinlich bereits wisst, das unvorstellbare: Wir verloren Lilli an FIP. Allein die Tage der Unklarheit und des Bangens waren für Katie und natürlich uns, Stress pur. Bei Katzen mit Epilepsie soll jedoch eines unbedingt vermieden werden: Stress.

Wie kann der Mensch dem Vierpfötler in einer derart emotionalen Stresssituation helfen und bei der Verarbeitung unterstützen? Die Antwort darauf ist zwar relativ simpel, doch kostet neben Selbstbeherrschung vor allem (gern aufgebrachte) Zeit und das Zurückstecken der eigenen Trauer: Noch mehr Zuneigung, noch mehr Beschäftigung und irgendwie Normalität.

Besonders letzteres ist schwierig, denn „normal“ war ab dem 6. März 2018, 13:30 Uhr rein gar nichts mehr. Weder für Katie noch für uns. Insbesondere für Katie war diese Zeit wirklich schlimm und wir befürchteten täglich, dass sie ein oder gar mehrere Anfälle ereilen wüden. Doch und ich klopfe an dieser Stelle auf Holz, ist Katie bereits seit Anfang Februar Anfallsfrei.

Zuneigung

Katie und Lilli wurden schon immer viel gestreichelt und beschmust. Allerdings nicht auf Krampf, sondern wenn ihnen danach ist. Ich bin wirklich kein Fan von ‚Katze auf den Arm nehmen und durchknuddeln‘, besonders bei Epilepsie-Katzen nicht. Auch Lilli kannte diese merkwürdige menschliche Verhaltensweise nicht.

Als Katie plötzlich alleine und wirklich sehr traurig war, blieb ich zuhause und streichelte sie fast rund um die Uhr. Natürlich versuchte ich ebenso sie zum Spielen zu animieren, was anfänglich von ihr nur ignoriert wurde. Aber das war auch völlig in Ordnung. Ich schlief die ersten Nächte zudem bei ihr im Wohnzimmer, denn diese waren die schlimmste Zeit für Katie.

Beschäftigung

Alles was unser Spielzeugarsenal zu bieten hatte wurde aufgefahren um Katie davon zu überzeugen, ihre Kratzliege wenigstens für fünf Minuten zu verlassen. Meistens spielte allerdings nur ich mit diversen Mäusen, Bällen und Federangeln. In der ersten Woche mussten wir Katie teilweise zum Napf tragen, damit sie etwas fraß und ihre Tabletten nahm. Sie litt sichtbar unter dem Verlust ihrer Freundin, die sich seit Kittentagen fest an ihrer Seite und auch in ihrem Herzen befand.

Alle Bemühungen trugen irgendwann Früchte und Katie rannte wieder umher, spielte und war fast wie vorher. Nur eben allein. Auch dies fiel ihr sichtbar zeitweise auf und die Traurigkeit kehrte für einen Augenblick zurück. Das war der Zeitpunkt an dem wir in zwei Tierheimen nach einer neuen Kameradin für Katie schauten. Das Ende dieser Suche dürfte bekannt sein: Es wurde nicht eine, sondern zwei. Katie hat die wohl härteste Probe ihres Lebens anfallsfrei überstanden. Die Zusammenführung war und ist zwar auch stressig, doch auf eine andere, eher positive Art.

Mensch

Da Katzen sehr empfindlich sind wenn es um die Gefühlslage ihrer Menschen geht, weinten wir heimlich. Ich zum Beispiel habe noch nie so oft die Tür vom Bad zugemacht, normalerweise ist sie auf, damit Katie immer hinein kann. Doch auch wir brauch(t)en unsere Minuten um das Geschehene zu verarbeiten.

Wie sehr Lilli fehlt merke ich zum Beispiel daran, dass ich diese Zeilen nur mit Tränen in den Augen schreiben kann. Doch wir alle sind auf einem guten Weg ihr Fehlen zu realisieren. Lillis Urne hat ihren Platz in unserem Schrank gefunden und eines der schönsten Bilder von ihr hängt für immer über dem Schreibtisch. Zudem gibt es einen Platz, den sie sowieso nie mehr verlassen wird: Unsere Herzen.

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Als der Verdacht der Diagnose Epilepsie kam waren wir alle erstmal geschockt. Bei dem Versuch Informationen fernab der ärztlichen Diagnostik zu erhalten, kam ich schnell an die Grenzen, da geballt und auf den Punkt gebracht im Netz nicht sehr viel vorhanden ist. Aus diesem Grund gibt es Epilepsie-Katzen: Begleite uns dabei die Diagnose zu verbarbeiten und damit zu leben.
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